Antifaschismus

Inhalt:
Keine Straße für Nazis!
Aufruf der DKP zum 65. Jahrestag der Befreiung von Faschismus
Mahnwache 09. November 2005
Die Reden der Mahnwache 2006, als MP3-Version zum runterladen.
Erinnerung an der KZ-Mauer (Mahnwache 09. November 2007)
Buchvorstellung "Antifaschisten aus Berg. Gladbach Berichten"
Die Nazis ließen die Maske fallen
Moskau in den Mai-Tagen 2006
08. Mai 2005, 60. Jahrestag der Befreiung
Aus dem Aufruf der KPD vom 11. Juni 1945


Keine Straße für Nazis!

In Bergisch Gladbach ist eine Straße nach Agnes­ Miegel benannt.

Agnes­ Miegel war überzeugtes Mitglied der NSDAP, der NS-Frauenschaft und wurde durch die Hitlerjugend geehrt. Sie widmete Adolf Hitler drei Gedichte.

Meyers Lexikon bescheinigt ihr ab 1933 eine »Tendenz zur Blut-und Bodenromantik«.

Die Alliierten belegten sie nach dem Krieg mit einem Berufsverbot – in der Bundesrepublik konnte sie trotz dessen ungebrochen ihre Karriere fortsetzen und das, obwohl sie stets in Kontakt zu rechtsradikalen und neonazistischen Kreisen stand.

Beliebt war sie in »Vertriebenenkreisen«, sie verfasste Exklusivbeiträge für die Zeitschrift »Nation Europa« und das »Collegium Humanum«, einem Verein, welcher durch Antisemitismus und Holocaustleugnung auffiel und 2008 in Deutschland verboten wurde. Dieser widmete ihr sogar eine eigene Veranstaltung.

Provisorische UmbenennungDie »Agnes-Miegel-Straße« wurde von der Gruppe conflict am 29. November 2010 mit einem selbst gebastelten Namensschild überklebt und in »Erna-Kahn-Straße« umbenannt.

Erna Kahn war eine jüdisch-stämmige Hausangestellte aus Bergisch Gladbach, die über Theresienstadt nach Auschwitz deportiert und dort 1943 ermordet wurde.

Die Gruppe conflict will sich dafür einsetzen, dass die nach einer Nationalsozialistin benannte Straße dauerhaft den Namen eines Opfers des Nationalsozialismus aus Bergisch Gladbach trägt. Die Anwohnerinnen und Anwohner der Straße erhielten Briefe und wurden so über die provisorische Umbenennung und deren Hintergründe in Kenntnis gesetzt. Es wurde sich außerdem in einem offenen Brief an den Stadtrat gewandt.

In mehreren Städten wurden bereits nach Miegel benannte Schulen und Straßen umbenannt. So z.B. in Bielefeld, Erlangen, Wilhelmshaven, Neuenkirchen, Willich und Düsseldorf.

In der Sitzung vom 27. Oktober 2010 hat auch der Rat der Stadt Erftstadt mit 13:2 Stimmen für eine Umbenennung der Agnes-Miegel Straße in Erftstadt gestimmt.

Quelle: conflict, Emanzipatorische Gruppe
Bergisch Gladbach

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Wenn Sie die Forderung nach Umbenennung unterstützen oder Rückfragen haben,
* schreiben Sie eine E-Mail an: conflict [at] riseup [dot] net
* Unterstützung der Umbenennung



Aufruf der DKP zum 65. Jahrestag der Befreiung von Faschismus
Nie wieder Faschismus - nie wieder Krieg!
Den Schwur von Buchenwald erfüllen

In der Nacht vom 8. zum 9. Mai 1945 unterzeichneten die Vertreter der faschistischen deutschen Wehrmacht in Berlin-Karlshorst die bedingungslose Kapitulation.

Das faschistische Deutschland war besiegt: durch den antifaschistischen Widerstandskampf, die Illegalen, die Kämpfer in den Zuchthäusern und Konzentrationslagern, die noch unter schwierigsten Bedingungen Rüstungsproduktion sabotierten, durch die Partisanen und die Kämpfer der Armeen der Antihitlerkoalition. Die Hauptlast in diesem Kampf trugen die Völker der Sowjetunion und die Rote Armee.

Am 65. Jahrestag der Befreiung gedenken wir der Millionen Toten. SS und Wehrmacht hinterließen in den besetzten Ländern, vor allem der Sowjetunion, eine Spur der Zerstörung und des Todes: mit Billigung und Unterstützung von Thyssen, Krupp, Siemens und IG Farben, Deutscher Bank und vielen anderen, die an der Ausplünderung anderer Länder, an der Sklavenarbeit, an Aufrüstung, an Krieg und Massenmord Unsummen verdienten. Aber auch Millionen eigener Landsleute verloren ihr Leben, Hunderttausende wurden einbezogen in schlimmste Verbrechen.

1945 schworen viele Menschen unterschiedlicher weltanschaulicher Orientierung und sozialer Herkunft - auch im zerstörten und niedergerungenen Deutschland Schlussfolgerungen zu ziehen, Krieg und Faschismus nie wieder zuzulassen.

Doch der Antikommunismus wurde im Westen Deutschlands bald wieder zur Staatsdoktrin, die Nazi- und Kriegsverbrecher wurden rehabilitiert, die alten Macht- und Eigentumsverhältnisse wieder hergestellt. Es wurde wieder aufgerüstet. Kommunistinnen und Kommunisten stellten sich in Ost wie West dagegen. In der DDR engagierten sie sich und viele andere - die Lehren aus der Geschichte berücksichtend - für den Aufbau eines antifaschistischen, eines friedliebenden, sozialistischen Staates. Der 8. Mai galt dort immer als Tag der Befreiung.

Der Antikommunismus blieb auch nach 1990 Staatsdoktrin. Unter der Kohl-Regierung wurde der Auftrag zur Delegitimierung der DDR gegeben, unter Schröder-Fischer wurde diese Politik fortgesetzt. Die DDR wird - 20 Jahre nach der "Einheit" - mittlerweile nur noch als "Unrechtsstaat" dargestellt, schlimmer noch als das Nazireich. Der Antifaschismus der DDR wird verleumdet: Er sei "verordnet" gewesen. Eben dieser Antifaschismus täte der Bundesrepublik heute und künftig gut!

Dagegen werden in offiziellen Erklärungen, auf Veranstaltungen wie in den Medien gesellschaftliche Hintergründe des Faschismus sowie die Zusammenhänge von Kapital und faschistischem Machtanspruch verschwiegen oder verfälscht.

Das, was sich in der Bundesrepublik vollzog, ging und geht seit 1990 in ganz Europa vor sich. Europaweit koordiniert verstärken die Herrschenden die Kampagne zur Delegitimierung und Illegalisierung der Kommunistinnen und Kommunisten: Anfang 2006 verabschiedete der Europarat eine Resolution zur "Notwendigkeit einer Verurteilung der Verbrechen kommunistischer totalitärer Regime". Am 23. August 2009 rief die Europäische Union alle Menschen in Europa dazu auf, einen "europaweiten Tag der Opfer des Stalinismus und Nationalsozialismus" zu begehen und damit den antikommunistischen und antidemokratischen Resolutionen des Europäischen Parlamentes Folge zu leisten.

In Tschechien forderte der Senat die Regierung auf, die Verfassungsmäßigkeit und damit Legalität der KSCM prüfen zu lassen - noch immer ist der Jugendverband KSM verboten. In Moldawien spielt die Regierung mit dem Gedanken, die von 48 Prozent der Wähler gewählte Partei der Moldawischen Kommunisten zu verbieten. In Polen sind der Rote Stern und andere linke Symbole verboten. Im Wörterbuch der Königlichen Akademie der Spanischen Sprache, das weltweit Vorgaben für den Gebrauch des Spanischen macht, soll Kommunismus künftig als totalitäre Ideologie bezeichnet und mit dem Faschismus gleichgesetzt werden.

Und die Faschisten? Sie gingen aus den Wahlen zum EU-Parlament im Jahr 2009 gestärkt hervor. Sie sitzen auch in der Bundesrepublik Deutschland nach wie vor in Kommunal- und Landesparlamenten. Sie treten immer aggressiver auf. Ihre Aufmärsche werden meist von der Polizei geschützt - während antifaschistischer Widerstand oft massiv behindert oder sogar kriminalisiert wird.

In Estland und Lettland wurden SS-Leute geehrt und konnten unter Polizeischutz Paraden abhalten. In Ungarn wird das immer dreistere Auftreten von Neofaschisten toleriert. Nazikollaborateure, wie der ungarische Admiral Miklós Horthy, "Reichsverweser" des Landes zwischen 1920 und 1944, Jozef Tiso in der Slowakei, Ion Antonescu in Rumänien u. a. werden "geehrt". Es verschwanden viele der den sowjetischen Befreiern gewidmete Denkmäler.

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Heute ist es notwendig, hierzulande wie international den Kampf gegen faschistische Parteien, Strukturen und Denkweisen sowie die Ursachen des Faschismus und für ein Verbot der NPD weiter zu verstärken. Wir haben deshalb die Aktionen des VVN/BdA zum NPD-Verbot aktiv unterstützt. Wir werden dies auch weiter tun.

  • Wir Kommunistinnen und Kommunisten wehren uns gegen das Vergessen und Verdrängen der Nazi-Vergangenheit.

  • Wir wenden uns gegen den Antikommunismus, der Intoleranz, Hass und Gewalt gegen Andersdenkende fördert, der zu Geschichtsfälschung und Inhumanität führt! Er dient dazu, jede Alternative zu den bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen zu denunzieren und zu kriminalisieren:

  • Wir fordern das Verbot und die Auflösung aller neofaschistischen Organisationen und Parteien, das Verbot jeglicher neofaschistischer, rassistischer, ausländerfeindlicher Aktivitäten und Publikationen entsprechend Artikel 139 Grundgesetz. Dafür werden wir gemeinsam mit anderen weiter kämpfen. "Faschismus ist keine Meinung sondern ein Verbrechen!" - diese Losung hat an Aktualität nichts verloren.

  • Wir Kommunistinnen und Kommunisten werden mit anderen aktiv, wenn es gilt, Aufmärsche der Neofaschisten zu stoppen.

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21 000 überlebende Buchenwaldhäftlinge schworen nach der Selbstbefreiung und dem Eintreffen US-amerikanischer Truppen am 19. April 1945: "Wir Buchenwalder ... schwören deshalb vor aller Welt auf diesem Appellplatz, an dieser Stätte des faschistischen Grauens: Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht!

Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel ..." Wir werden all unsere Kraft als Kommunistinnen und Kommunisten dafür einsetzen, dass der Schwur von Buchenwald erfüllt wird, denn mehr denn je ist heute das gemeinsame Handeln aller antifaschistischen, demokratischen und linken Kräfte gegen Sozial- und Demokratieabbau, gegen Aufrüstung und Krieg, gegen Rassismus und Neofaschismus notwendig. Massenhafter Widerstand ist notwendig.

Wir rufen dazu auf, den 65. Jahrestag der Befreiung Deutschlands vom Faschismus nicht der Verfälschung der Geschichte durch die Herrschenden zu überlassen.

Wir wenden uns an alle antifaschistischen, demokratischen und linken Kräfte in unserem Land mit dem Vorschlag, gemeinsam in den nächsten Monaten mit Veranstaltungen, auf Kundgebungen usw. initiativ zu werden, um den 65. Jahrestag des Kriegsendes als Tag der Befreiung Deutschlands zu begehen. Wir werden uns mit vielfältigen Aktionen der DKP in diese Aktivitäten einbringen. Lasst uns gemeinsam auf örtlicher und überörtlicher Ebene das Vermächtnis des antifaschistischen Widerstands in Erinnerung bringen und die antifaschistischen Widerstandskämpfer ehren. Nur durch gemeinsames Handeln kann der Weg zu einer anderen, friedlichen, an den sozialen Interessen der Mehrheit der Menschen orientierten Politik in Deutschland, zu einem anderen Europa und zu einer anderen, einer sozialistischen Welt geöffnet werden.

Parteivorstand der DKP



Mahnwache 9. November

"Gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus, für Toleranz und soziale Gerechtigkeit"

Gedenktage sind Denktage. Am 9. November jährt sich zum 65. Mal die Reichsprogromnacht von 1938, als in deutschen Städten Synagogen brannten, jüdische Geschäfte in Brand gesteckt und vernichtet wurden. Somit war das Signal für die industrielle Massenvernichtung von Menschen gegeben. Deshalb ist der 9. November auch Mahnung für die Gegenwart. Denn: man ist nicht nur verantwortlich für das, was man tut, sondern auch für das, was man geschehen lässt.
Dem Rassismus, Antisemetismus und Neonazismus keine Chance!
(aus dem Aufruf zur Mahnwache)



Mahnwache 9. November 2005

Mahnwache in Bergisch Gladbach zum Gedenken an die Pogromnacht

Hier auf dem ehemaligen Gelände des Stellawerkes wurden 1933 durch die SA Kommunisten Gefangen gehalten und misshandelt. Jüdische Bürger wurden 1941 hier zwangsinterniert und anschließend in Konzentrationslager deportiert.“
Diese Worte stehen auf einer schlichten Gedenktafel am ehemaligen Stellawerk, einer stillgelegten Ziegelei. Hier hatte die SA ein so genanntes wildes KZ errichtet. An diesem Ort der Erinnerung trafen sich rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter dem Motto „Mahnwache 9. November - Gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus, für Toleranz und soziale Gerechtigkeit“. Die Mahnwache fand zum 15. Male statt und war von der VVN-BdA, dem DGB-Ortsverband und der BezirksschülerInnenvertretung Rhein. Berg. veranstaltet worden. Der 89-jährige Peter Gingold, Bundessprecher der VVN-BdA, stellvertretender Vorsitzender des Auschwitzkomitees, Ossietzky-Preisträger, erinnerte in einer leidenschaftlichen, eindringlichen Rede an die Geschehnisse der Nazizeit, die er selbst als Verfolgter und Widerstandskämpfer erlebt hatte. Der 9. November mahne, sich zu erinnern wie der Mechanismus der Nazis funktioniert habe und noch heute funktioniere. Dem Rassimus und Neonazismus dürfe keine Chance gegeben werden! Der DGB-Vorsitzende der Region Köln-Leverkusen-Erft-Berg, Wolfgang Uellenberg van Dawen, erinnerte an die Menschen, die damals in dem „wilden“ KZ Stellawerk gequält und gefoltert wurden. Es komme darauf an, dass die Arbeiterbewegung Lehren aus der Vergangenheit ziehe, wachsam bleibe und sich entschieden für Demokratie, Freiheit, Frieden und soziale Gerechtigkeit engagiere. Weitere Sprecher waren Klaus Farber,Vorsitzender des Integrationsbeirates Bergisch Gladbach, Barbara Vollbach von der BezirksschülerInnenvertretung Rhein.Berg und Dr. Jochen Dilling, Werkstatt für Ortsgeschichte Köln-Brück. Walborg Schröder, VVNBdA, holte stellvertretend für die Frauen und Männer, die im Stellawerk barbarisch misshandelt wurden, aus der Namenlosigkeit in unser Gedächtnis zurück:
Willi Laudenberg, Jean Kürten, Peter Lindler, Peter Breuer, Wilhelm Hoffstadt, Hans Becker,
Wilhelm Hochscherf, Adolf Eikel, Jean Wolter, Henriette Zimmermann, Erich Deutsch,
Elise Joschkewitz.
Schröder geißelte das im Juli dieses Jahres ergangene Ureil des Bundesgerichtshofes, in dem die Neonaziparole „Ruhm und Ehre der Waffen-SS“ für nicht grundgesetzwidrig erklärt wurde.
Walborg Schröder

Quelle: Lokal Berichte Köln; Ausgabe 11.11.2005

 

Peter TafelPeter Gingold, Bundessprecher der Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes, Bund der Antifaschisten war zu Gast in Bergisch Gladbach.

Er wurde 1916 geboren, hat im Zweiten Weltkrieg im französischenWiderstand gegen die deutsche Besatzung gekämpft, wurde verhaftet, gefoltert, konnte fliehen. Das Kriegsende erlebte er bei den Partisanen in Italien.

Nach der Mahnwache zur Reichspogromnacht, wo er als Redner auftrat, konnte mit Peter Gingold persönlich gesprochen werden.

(Die Reden der Mahnwache 2005 sind als MP3-Version zum runterladen.)
Auf der Mahnwache sprachen:
Peter Gingold*,
(Wiederstandskämpfer, Ossietzky-Preisträger)
Vertreter/in der Stadt
Wolfgang Uellenberg van-Dawen, (DGB)
Klaus Farber, (Vors. Integrationsbeirats von GL)
Barbara Volbach, (BezirksschülerInnenvertretung)
Prof. Dilling, (Geschichtswerkstatt Köln Brück)

Moderation: Walborg Schröder
(& Schlusswort)

2005 Mahnwache 9. November

* nach der Mahnwache kam Peter Gingold zu einem Zeitzeugengespräch ins Jugendzentrum Q1, Quirlsberg (ca. 12:45)

Peter Gingold im Q1, November 2005

 




(Die Reden der Mahnwache 2006, als MP3-Version zum runterladen.)

Auf der Mahnwache sprachen:
(An-)Moderation: Walborg Schröder

Michael Höhn, (Pfarrer & Schriftsteller)
Heinz Trier, (DGB, Träger der Hans-Böckler-Medaille)
Klaus Farber, (Vors. Integrationsbeirats von GL)
Lydia Will, (BezirksschülerInnenvertretung)
Dieter Ali, (DGB)
Walburg Schröder, (VVV/BDA)
Andrea Will, (DKP - Bergisch Gladbach)


Erinnerung an der KZ-Mauer


70 Antifaschisten, darunter viele Jugendliche, erinnerten mit einer Mahnwache in Bergisch-Gladbach an die Reichspogromnacht am 9. November 1938.

Vor der Gedenktafel für die misshandelten und deportierten Kommunisten und Juden an der Mauer des ehemaligen Stella-Werkes, einem "wilden" KZ der SA, erinnerte die Initiatorin der Veranstaltung, Walborg Schröder, an die Nazi-Barbarei und forderte die Teilnehmer dazu auf, weiterhin für ein Verbot der NPD einzutreten.

Getragen wurde der Aufruf vom DGB-Ortskartell, der VVN-Bund der Antifaschisten, von der Bezirksschülervertretung und von der Jugendinitiative "Gemeinsam gegen Rechts". Neben den Veranstaltern riefen MdL Helene Hammelrath (Stellvertretende Bürgermeisterin von Bergisch Gladbach), Uwe Koopmann (NRW-Landesverbindungslehrer) Kemal Yildiz (Vorstand des Integrationsbeirates Bergisch Gladbach) dazu auf, jeglichem Rassismus aktiv entgegenzuwirken.

Der Kundgebung schloss sich eine Demonstration zu verschiedenen antifaschistischen Gedenkstätten in der Stadt an.

 

Bilder der „Mahnwache 2007“

 



Aktionen gegen Rechts - Bei Anderen gefunden:
Bela B., Mitglied der Band "Die Ärzte" hat ein Lied gegen Rechts gesungen:
"Deutsche kauft nicht bei Nazis"
Der Song ist kostenlos zu finden im Internet unter:
www.bpx1992.com/mp3/belab_kauftnicht.mp3


Geschichte lokal:

Antifaschisten aus Bergisch Gladbach

Lange war das Buch vergriffen, im letzten Jahr ist es neu aufgelegt: "Antifaschisten aus Bergisch Gladbach berichten".
Erinnerungen und Interviews von Frauen und Männern aus Bergisch Gladbach, die damals nicht weggeschaut haben.
(5,-€)


Kontakt: DKP Bergisch Gladbach
Andrea Will,
DKP_BergischGladbach@rocketmail.com
02202/1 88 03 98


Die Nazis ließen die Maske fallen

VON CLAUS BOELEN-THEILE, Kölnische Rundschau, 14.09.06
Die Leser der Rheinisch-Bergischen Zeitung, Vorläufer der Bergischen Landeszeitung, warteten am Samstag, 11. März 1933, vergeblich auf ihre Lektüre. Am Tag vor der Gemeinderatswahl besetzten SA-Männer das Verlagsgebäude auf der Hauptstraße, hissten die Hakenkreuzfahne und verhinderten die Auslieferung der Wochenendausgabe. Am Montag und Dienstag wiederholte sich das Spiel: Der damalige Chefredakteur Rudolf Frielingsdorf wurde für mehrere Stunden in den Betriebsräumen festgehalten, das Blatt aus dem Verlagshaus Heider konnte nicht erscheinen.
Ein SPD-Mann musste Spießruten laufen. Die zentrumsnahe Rheinisch-Bergische Zeitung, Verfechter der Verständigungspolitik von Gustav Stresemann, sollte ausgeschaltet werden. Es war das erste Muskelspiel der Nazis in Bergisch Gladbach.
Die „Braunen“ ließen in den ersten Wochen nach der so genannten Machtergreifung keinen Zweifel, wohin die Reise gehen würde. Lange gefackelt wurde nicht: Sofort versuchte man, missliebige Personen auszuschalten. Am Tag nach der Kommunalwahl verhafteten die Nationalsozialisten den Leiter des Gladbacher Arbeitsamt, Peter Walterscheid (SPD), und trieben ihn durch die Hauptstraße. Mit Pistolen und Peitschen waren die Nazis frühmorgens in sein Büro gestürmt, hatten den Sozialdemokraten mit Faustschlägen und Fußtritten traktiert und anschließend in die Arrestzelle des Polizeigefängnisses geworfen. Polizisten zwangen Walterscheid zu einem entwürdigenden Spießrutenlaufen durch die Stadt: Der abgesetzte Direktor musste ein Pappschild tragen mit der Aufschrift „Ich bin ein Parteibuch-Bonze.“ Dazu spielte eine Musikkapelle. Am Straßenrand soll es Beifall gegeben haben, berichtet ein Augenzeuge. Dann brachte man den SPD-Mann in den Kölner Klingelpütz, wo er erst vier Wochen später freigelassen wurde. Er verlor sämtliche Versorgungsansprüche. Es war in diesen Märztagen auf lokaler Ebene mit das erste Mal, dass die Braunhemden ihr wahres Gesicht gezeigt hatten. Die letzte halbwegs freie Kommunalwahl im März 33 brachte jedoch nicht die von den Braunen erhoffte Wende im Rathaus. Nur 25,6 Prozent der Wähler hatten für die Nazis gestimmt, die Zentrumspartei behauptete im katholischen Gladbach mit über 38 Prozent Stimmenanteil ihre Führungsposition. Doch bei der ersten Zusammenkunft des Rates gaben die Nationalsozialisten die Kommandos, die Mitglieder des Zentrums stemmten sich nicht einmal ansatzweise gegen dagegen. Die stärkste Partei enthielt sich, als es um den Ausschluss der SPD von allen Ausschüssen ging; der Ernennung des „Führers“ zum Ehrenbürger der Stadt stimmte das Zentrum sogar zu. Die Ratsherrn nickten die Nazi-Anträge ab und schauten ansonsten weg. Im öffentlichen Bewusstsein spielten Aktionen wie der Spießrutenlauf des Arbeitsamts-Direktors oder die Festnahme von KPD-Mitgliedern Anfang März 33 keine Rolle. Die Öffentlichkeit berauschte sich lieber an Fackelaufzügen und den vollmundigen Ankündigungen, die Wirtschaftskrise zu überwinden. Indem lokale Honoratioren zur Mitarbeit in der Kommunalpolitik gewonnen werden konnten, stieg die Reputation der Nazis. Bei Nachwahlen zu Rats-Ausschüssen standen der katholische Hauptlehrer Jux und der evangelische Pfarrer Röttgen auf der Liste. Vorstoß ins konservative Lager Im wichtigen Steuer-Ausschuss vertrat unter anderem Papierfabrikant Johann Wilhelm Zanders die NSDAP. Im Schulausschuss saßen Lehrer und Rektoren. Mit der Vergabe von Ämtern an angesehene Bürger, die zunächst nicht unbedingt Parteimitglied sein mussten, gelang den Nationalsozialisten im Frühjahr 33 der entscheidende Vorstoß ins konservative Lager, resümiert Historiker Johann Paul.
Im Juni des gleichen Jahres fallen die Masken: Polizei und SA verhaften 29 Kommunisten und bringen sie in die Ziegelei „Stella-Werk“ nach Heidkamp. Berichtet wird von bestialischen Misshandlungen und Folter-Exzessen, die die Gefangenen erleiden mussten. Nach der Verlegung in verschiedene andere Gefängnisse werden die Gladbacher KDP-Mitglieder wegen „Hochverrats“ zu insgesamt 21 Jahren und 10 Monaten Haft verurteilt. ...

Quelle: http://www.rundschau-online.de/jkr/artikel.jsp?id=1157552367873


Veranstaltungen zum Tag der Befreiung
von Krieg und Faschismus
Moskau in den Mai-Tagen 2006

Einige Mai-Tage in Moskau weilend, nahmen wir an zahlreichen Veranstaltungen zum Tag der Befreiung von Krieg und Faschismus teil. Der strahlend blaue Himmel am 9. Mai und das heitere Frühlingswetter konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele dramatische gesellschaftspolitische und soziale Probleme in Russland gelöst werden müssten.
Auf der Großkundgebung der KPRF in Moskau zum Tag des Sieges geißelten Kriegsveteranen in scharfen Worten die Politik der Herrschenden und Regierenden. Sie erklärten u. a., dass sie gehofft hatten, dass der Zweite Weltkrieg der letzte Krieg in der Geschichte der Menschheit gewesen sei. Es liege nicht in ihrer Verantwortung, dass die ehemaligen Alliierten den Kalten Krieg, eine Vielzahl heißer und blutiger lokaler Kriege entfesselt hätten. Der Kalte Krieg gehöre nicht der Vergangenheit an, seine Aktionen hießen jetzt nur "Reformen". Oberstleutnant i. R. Dawlet Kalandarow erklärte: "Wir, Veteranen des Großen Vaterländischen Krieges, haben nicht nur das faschistische Deutschland und seine Satelliten besiegt, sondern auch unser Land wieder aufgebaut, einen atomaren Schutzschild geschaffen und waren als erste in der Welt im Kosmos. Und heute, da wegen der kurzsichtigen Politik des herrschenden Regimes die NATO-Truppen an unserer Grenze stehen, hoffen wir auf unsere Jugend und sind überzeugt, dass die Generation der Sowjetmenschen der 70er und 80er die Stafette des Sieges aus unseren Händen übernehmen wird." Olga Andrejewa vom Russischen Frauenverband schlug den Kundgebungsteilnehmern und der russischen Öffentlichkeit an Stelle der so genannten vier nationalen Projekte Präsident Putins das Projekt "Retten wir Russland" vor.

Walborg und Karl Heinz Schröder
Walborg und Karl Heinz Schröder werden durch den stellvertretenden Vorsitzenden des Russischen Komitees der Kriegsveteranen, General Bogdanow, mit der Ehrenmedaille "Für aktive Teilnahme an der Veteranenbewegung" ausgezeichnet.

In einem vom 11. Mai 2006 datierten Kommentar der "Prawda", der dreimal wöchentlich erscheinenden Zeitung der Kommunistischen Partei der Russischen Föderation, hob das Mitglied des Präsidiums und Sekretär des ZK der KPRF, Oleg Kulikow, hervor, dass die KPRF ihre Bemühungen zur Herstellung eines konstruktiven Dialogs zwischen allen linken und progressiven Kräften des Planeten fortsetzt. Bei einer freundschaftlichen Begegnung mit dem stellvertretenden Vorsitzenden der KPRF, dem Vizepräsidenten der Staatsduma und stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden, Nikolai Kupzow, und Andrej Filippow, Verantwortlicher für internationale Beziehungen der KPRF, wurde auf die schwierige Situation der KPRF hingewiesen, die sich immer wieder nationalen und internationalen antikommunistischen Kampagnen ausgesetzt sieht.

Karl Heinz und Walborg Schröder wurden während ihres Besuches in Moskau anlässlich des 61. Jahrestages des Sieges mit der Medaille des ZK der KPRF "100. Geburtstag Musa Dschalils" (des in Plötzensee hingerichteten sowjetisch-tatarischen Dichters und Widerstandskämpfers) ausgezeichnet. Sie erklärten: "Wir nehmen diese Auszeichnung stellvertretend für die Kommunistinnen und Kommunisten in der Bundesrepublik Deutschland in Würdigung ihres Kampfes für Frieden, Antifaschismus und soziale Gerechtigkeit entgegen."

Karl Heinz Schröder



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